Goodbye Steel Skeleton

2008 geht bald zu Ende und damit auch die vierjährige Geschichte von Steel Skeleton. Entgegen der Ankündigung in der Mahogany Hall wird es leider kein Abschlusskonzert mehr geben: Wie immer läuft die Zeit wieder davon. Darüber hinaus fehlt es an einer geeigneten Location und vielleicht auch am letzten Quäntchen Motivation. Nichts desto trotz hier ein etwas längerer Rückblick auf das vergangene Jahresquartett.




Irgendwann im Frühjahr 2004, mitten im Ska-Fieber, beschloss ich eine Band zu gründen. Der Weg führte zuerst aber über einen ziemlich ernüchternden Band Workshop im Konsi Bern. Anlass genug, endlich selbst etwas auf die Beine zu stellen. Mit Christine Riniker (Alt Saxophon) und Dimitri Heimlicher (Tenor Saxophon), die beide auch an jenem Workshop teilnahmen, nahm das Projekt „Ska-Band“ im Sommer ’04 erste konkrete Formen an. Dank einem Inserat wurden wir schnell fündig: Leandra Hautle (Kontrabass) und Maurice Könz (Schlagzeug) komplettierten die Formation. Bis aber wirklich mit Proben begonnen werden konnte, sollte es noch ein Vierteljahr dauern. Zuerst ging es darum, einen passenden Bandraum zu finden und einzurichten. Dabei hatten wir grosses Glück. Die üblicherweise eher mühsame Suche war schnell beendet: Die Kirchgemeinde Johannes stellte uns ihren Luftschutzkeller zur Verfügung.

Jetzt galt es, einen Keller voller altem Spielzeug auszumisten und Eierkartons an die Decke und Wände zu kleben. Im Herbst ’04 war es dann endlich soweit: die erste Probe fand statt. Begonnen haben wir mit einigen Mani Matter Liedern und „Fields Of Agony“, einer Anti-Kriegsballade von den US Punkern No Use For A Name. Schon bald stiessen Corina de la Cuadra (Leadgesang) und Jonas Mettler (Perkussion) dazu und Christine verliess die Band bereits wieder. Mit Jones kam auch der Name: Steel Skeleton, soviel wie Grundgerüst.

Immer wieder bauten wir in den vergangenen vier Jahren unseren Bandraum um. Die Eierkartons mussten aus Brandschutzgründen bald weg. Dafür wurden spezielle Isolierplatten angebracht, die wenig nützten. Nach langwierigen Abklärungen beschloss man vor rund einem Jahr, diesmal etwas erfolgreicher, Isolierschaum an der Decke und an Teilen der Wände anzubringen. Hier muss angemerkt werden, dass ohne die Hilfe von Jakob Rüegger, dem ehemaligen Sigristen der Johanneskirchgemeinde, all dies nicht möglich gewesen wäre.

 

Zurück in den Winter 04/05. Bald stand das erste Konzert von Steel Skeleton an. Im Gemeindesaal des Kirchgemeindehauses präsentierte sich die mit Markus Bürgi (Trompete) mittlerweile auf sieben Köpfe angewachsene Band erstmals live. Das Resultat anlässlich des Konzertes am Gemeindefest (quasi als Bandraummiete) war zwar noch etwas unbeholfen, aber durchaus witzig und frisch und stiess auf Gefallen. Eine Gruppe älterer Damen überreichte uns mit dem Wunsch «Hoffentlich wärdeter mau berüemt!» sogar einen kleinen „Zustupf“ für die Bandkasse. Nach diesem Konzert war auch Manon Schlachter (Piano und später Saxophon) mit von der Partie.
Vor der Sommerpause folgten zwei weitere Konzerte. Einerseits ein Openairkonzert am Bring-und-Hol-Tag im Tramdepot Burgerenziel, bei welchem sich die Leute durch unser Geklimper bei der Jagd nach Gebrauchtwaren mehr gestört fühlten, wir aber in den sommerlichen Temperaturen durchaus unseren Spass hatten. Andererseits ein Konzert an einem Geburtstagsfest, welches eher zur Farce wurde. Kurze Zeit darauf gab Maurice bekannt, aus der Band auszutreten.

Die ersten Höhepunkte folgten im Herbst 2005. Da war der Gig an einem Pfadi Fest auf dem Mont Vully: Soundcheck 13:00, Konzert nach Stromausfällen bedingter Verspätung als letzte Band ca. um 01:00. Die Zeit bis zum Konzert überbrückten wir mit Pool und Shisha im Garten von Dimis Grossvater ganz in der Nähe. Nach langen Stunden des ungeduldigen Wartens – v.a. auch auf unseren neuen Schlagzeuger, David Branca – lieferten wir ein mehr schlecht als rechtes Konzert ab. Das Publikum war aber dermassen begeistert, dass wir fast nicht mehr von der Bühne durften und anschliessend nach CDs und T-Shirts gefragt und munter mit Open Season verglichen wurden. Das ist natürlich Balsam auf das Künstlerego. Der nächste Höhepunkt folgte sogleich mit der sehr überraschenden Finalteilnahme am Wettbewerb „Best Of Börn“ im Berner Bierhübeli. Unglaublich, kaum ein Jahr nach der Bandgründung schon im Bierhübeli. Entsprechend nervös und unprofessionell verhielten wir uns dann auch auf der Bühne. Das Video wollen wir heute lieber nicht mehr anschauen. Aus dem Bericht der Jury: «äusserst originelle Besetzung», «lockere, leicht chaotische Stimmung backstage», «dennoch musikalische Rarität und Überraschung des Abends».

 

Bandfoto November 2005

Nach einem kurzen Intermezzo bei Steel Skeleton von Claudia Radicevic im Winter ’05 und einem Konzert im Breitschtreff kam es zum Bruch. Die 9ner Besetzung wurde definitiv zu viel: Claudia, Manon, David und dann auch Lea verliessen die Band. Steel Skeleton stand vor einem Neuanfang, der lange nicht so richtig in Schwung kommen sollte. Michel Trüssel (Schlagzeug) und Félix Rohrer (Trompete) verstärkten die Band, die mittlerweile zum Grossteil Eigenkompositionen spielte, bei einem Konzert im Berner Gaskessel Anfangs Sommer ’06. Das Publikum hatte seinen Spass. Die Band nur begrenzt. Und, was ich gelernt habe: Gleichzeitig einen solch grossen Anlass zu organisieren und ein Konzert zu spielen ist doch etwas zu stressig.

Währenddessen entwickelte sich der Stil Steel Skeletons immer weiter. Begonnen haben wir, dem Hype entsprechend, mit schnellen Ska Rhythmen, die wir immer mehr hinter uns liessen. Der Offbeat verlangsamte sich einerseits Richtung Reggae und Dub oder fiel andererseits ganz weg: Die neusten Eigenkompositionen wären nämlich eher irgendwo in der Rock, Funk Ecke einzuordnen gewesen.

Bandfoto Frühling 2006

Eines Tages bekamen wir per Mail die Anfrage «Ska-Band ohne Bass… trübe Sache ne… ». Somit war Colin Steinhauer (E-Bass) neues Bandmitglied. Diese Kombination blieb jetzt für Steel Skeleton Verhältnisse schon fast lange bestehen: Erst im Frühling ’07 nach einem eher schwachen Konzert fast neben dem AKW Gösgen und einem grossartigen Gig in der Kulturfabrik Wetzikon beschloss Michel die Band zu verlassen. Wieder einmal war die Band auf der Suche nach einem Drummer. Auf ein Inserat meldeten sich gleich mehrere, so dass wir sogar wählen konnten: Die Wahl fiel auf Pablo Hofmann, Drummer Nr. 4.
Das unter dem Strich vielleicht gelungenste Konzert war jenes im ONO im Sommer ’07. Nach dem vielleicht schlechtesten Auftritt überhaupt – wir spielten vor einem etwa vier Personen umfassendem Publikum im Berner Muristalden – folgte ein Konzert im übervollen ONO-Keller.

Abgesehen von den traditionellen Konzerten im Kirchgemeindehaus, an welchen wir uns einmal sogar im Jazz versuchten, folgte jetzt eine längere Konzertpause. Im Herbst ’07 stiess Matthias Gähwiler (Tenor Saxophon) zu uns, nachdem Kusi seinen definitiven Austritt bekannt gab. Diese Bandbesetzung hielt wieder relativ lange, nämlich genau bis heute. Das Septett arbeitete unterdessen an einer Demo CD, welche mit etwas Zeitstress im Frühling ’08 fertig gestellt werden konnte. Doch etwas zu spät für Konzerte im Sommer, wie wir feststellen mussten. Erstmals hatten wir, so zumindest mein Gefühl, eine wirklich konzertreife Setlist eingespielt, die aber leider nur noch zwei Mal live präsentiert werden konnte. Das eine Konzert an einem Sommerfest in einem Berner Jugendheim ist nicht der Rede wert. Das zweite schon eher: Seinen Abschluss feierte Steel Skeleton zusammen mit den Special Guests Arno Zeppa (MC und Cello) und Benedikt Stampfli (Cello) im Berner Traditionslokal Mahogany Hall. Ein sehr gelungener Abschluss.

Steel Skeleton hat also beschlossen, sich aufzulösen. Eine Auflösung, die sich mehr oder weniger ergeben hat. Nach den Bandaustritten von Pablo Hofmann und Matthias Gähwiler erschien es mir doch zu aufwändig, neue Bandmitglieder zu suchen, und auch mein Auslandaufenthalt in München vom nächsten Jahr kam einer Weiterführung in die Quere. Ein guter Moment also, einen Strich zu ziehen und sich auf etwas Neues zu freuen. In welche Richtung das gehen wird, lasse ich vorerst noch offen.

 

Bandfoto Winter 2008

Ja, es waren vier sehr ereignisreiche Jahre, die viele wertvolle Erfahrungen mit sich brachten. Den lustigen und tollen Momenten folgten immer auch nervenaufreibende und mühsame, verbunden mit enorm vielen Wechseln. Was heute bleibt sind einige You-Toube Videos, die Demo CD ‚Welcome!’ und zahlreiche Fotos. Wer noch ein Exemplar der CD möchte, kann ein solches per Email bei mir bestellen. Diesmal kostenlos, da die Bandabrechnung schon gemacht ist.

 

Cover Demo CD ‘Welcome!’

Jetzt bleibt mir nur noch euch allen zu danken. Für die Unterstützung, euer immer sehr zahlreiches Erscheinen an unseren Konzerten, den Applaus, für den zur Verfügung gestellten Bandraum und die Konzerträume, für die Fotos und Chauffeurdienste, für die Gastspiele usw. Ihr wart ein treues Publikum. Umso mehr würde es mich natürlich freuen, bei einem neuen Projekt wieder auf eure Unterstützung zählen zu dürfen.

In diesem Sinne wünsche ich allen eine erholsame Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins 2009.

2 Kommentare »


  1. Kommentar von sandythedandy — 24. December 2008 um 5:16 pm

  2. Viu Erfoug bi dine nächschte projekt! Z’abschlusskonzert isch wük e super sach gsi, stimmig isch hammer gsi, sehr glunge.. Goodbye Steel Skeleton! dini stickers wärde aber no es paar jahr ir ganze schwiiz witerläbä ;)

    Kommentar von pablo s — 12. January 2009 um 8:31 pm

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